Die Verschränkung von Bild und Text, von Zeichen und Sprache, bildet ein Spannungsfeld, das mich immer wieder beschäftigt. Beide erscheinen dabei nicht als getrennte Ausdruckssysteme, sondern als ineinander greifende Formen der Bedeutungskonstitution. Mal wird der Text durch ein Werk inspiriert, mal fungiert Sprache als Ausgangspunkt visueller Setzungen.

 

Bedeutung ist in diesem Prozess weder stabil noch vorab festgelegt. Sie entsteht situativ, im Akt des Denkens, im Vollzug des Zeichnens und nicht zuletzt in der Rezeption. Bild und Text operieren dabei als offene Strukturen, die sich gegenseitig verschieben und ergänzen.

 

Gerade in ihrer Mehrdeutigkeit entfaltet sich ein produktiver Raum, in dem eindeutige Lesarten unmöglich werden. Es geht nicht um die Vermittlung einer intendierten Botschaft, sondern um die Eröffnung eines Denk- und Wahrnehmungsraums, in dem Bedeutung nicht konsumiert, sondern hervorgebracht wird.

2025/26

Begleitend zu meinen aktuellen Arbeiten entstehen sowohl dazu korrespondierende als auch autonome Textarbeiten. diese sind hier versammelt.

2024

Textfragmente aus einem meiner Skizzenbücher:

Vor 2024

Das kleine Büchlein „Reiß mich, reiß mich! Oh bitte, zerreiße mich.“  zeigt Texte, die in Bezug auf vier Arbeiten von Olivenbäumen entstanden sind. Diese Arbeiten gehen auf eine Studienfahrt nach Alonissos (Griechenland) zurück und sind eng mit den dortigen Erfahrungs- und Aushandlungsprozessen verbunden.

 

Ausgangspunkt bildeten sowohl Momente von Frustration und Irritation, insbesondere im Hinblick auf die Frage, was als Kunst gilt und was als ausstellungswürdig verhandelt wird, als auch die affektiven Zustände der Teilnehmenden. Die Texte lassen sich dabei als Reflexions- und Resonanzräume verstehen.

Textfragmente aus meinen Skizzenbüchern:

Im Rahmen einer Studienfahrt nach Montepulciano (Italien) setzte ich mich mit den Begriffen Verbundenheit und Schönheit auseinander. Das vorliegende Skizzenbuch ist als verdichtetes Ergebnis dieses Prozesses zu verstehen.

 

Methodisch orientierte ich mich an ethnografischen und soziologischen Verfahren: In kurzen Interviews, geführt auf Italienisch und Englisch, befragte ich Teilnehmende danach, was sie an sich selbst und an anderen als schön wahrnehmen. Aus diesem Material entwickelte sich ein Videoessay.

Zentral für den Zugang war die bewusste Herstellung von Nähe als ästhetische Praxis. Vor jedem Interview entstand eine Form von „Verbindung“ durch direkten Blickkontakt und körperliche Berührung: Für die Dauer einer Minute hielt ich die Hände der jeweiligen Person. Anschließend fotografierte ich die Person. Darauf folgte eine Phase des nicht-visuellen Zeichnens, in der ich ohne auf das Blatt zu schauen einminütige Zeichnungen der Porträtierten anfertigte. Abschließend entstanden auf Grundlage der Interviews kurze, den jeweiligen Personen zugeordnete Textfragmente. 

 

In der Überlagerung von Gespräch, Bild, Geste und Schrift entfaltete sich ein vielschichtiger Zugang zu Schönheit und Verbundenheit.

Textfragmente aus meinen Skizzenbüchern:

Unmittelbare Texte der Kindheit

Bei den vorliegenden Texten handelt es sich um die erhaltene schriftliche Zeugnisse aus meiner Kindheit, verfasst etwa ein Jahr nach meiner Ankunft in Deutschland. In einer Phase, in der ich mir die deutsche Sprache noch aneignete, entstehen hier Formen des Ausdrucks, die sich gängigen sprachlichen Normierungen teilweise entziehen.

 

Gerade in dieser sprachlichen Unvollständigkeit entfaltet sich ein eigentümlicher ästhetischer Reiz: Die Texte erscheinen unmittelbar, ungeschliffen und frei von nachträglicher Reflexion. Sie dokumentieren alltägliche Erlebnisse und Wahrnehmungen, ohne diese zu problematisieren oder zu überformen.

 

Obwohl sie auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zu meiner gegenwärtigen Praxis aufweisen, lassen sie sich als frühe Spur einer Ausdrucksbewegung lesen, in der sich Sprache und Erfahrung in ihrer elementaren Form verschränken. Besonders interessant ist dabei die kindliche Perspektive, die sich zwar bereits innerhalb sprachlicher und sozialer Normierungen ausbildet, zugleich jedoch durch ihre Unabgeschlossenheit und Offenheit geprägt ist. In dieser Spannung wird eine Form der Weltaneignung sichtbar, die zwischen Übernahme und Eigenproduktion oszilliert.

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